00:00:01: In der heutigen Podcast-Folge geht's um Shifting Baselines.
00:00:13: Was du für normal hältst, war einmal spektakulär!
00:00:18: Also du wachst in einer Welt auf die dir vollkommen normal vorkommt.
00:00:23: eh klar so wie gestern halt?
00:00:25: Der Himmel über dir, die Straßen und die Wälder und die Tiere alles wirkt als wär schon immer da gewesen.
00:00:33: Deine Gegenwart ist ein Nullpunkt, deine sogenannte Baseline.
00:00:38: Und genau hier beginnt der Trick!
00:00:41: Das Phänomen nennt sich Shifting Baseline Syndrome Ein hübsch klingender Ausdruck für einen perfiden Mechanismus – jede Generation hält den Zustand der Welt, den sie vorfindet für den Normalzustand – weil was anderes kennt man ja auch nicht.
00:00:58: Egal wie sehr diese Welt bereits ausgedünnt, ausgeräumt oder auch heruntergewirtschaftet ist!
00:01:06: Und dann erzählt dir irgendwann jemand von einer anderen Welt vielleicht?
00:01:10: Deine
00:01:11: Eltern?!
00:01:11: Vielleicht die Großeltern und die Sprechen von Wäldern, die dichter waren.
00:01:16: Von Flüsten in denen man den Grund sehen konnte – von Fischwärmen!
00:01:21: Die das Wasser ganz dunkel gefärbt haben.
00:01:24: Und plötzlich rutscht der Boden unter deinem Gefühl von Normalität ein paar Zentimeter nach unten.
00:01:31: Du merkst?
00:01:32: Dein Maßstab ist verschoben.
00:01:36: Stell dir vielleicht ein paar Szenen aus aller Welt vor.
00:01:39: Du bist ein junger Mensch in Japan und schnarchelst über die Korallenriffe, es gibt so ein paar bunte Fische und ein bisschen Struktur im Wasser – irgendwie ist das alles beeindruckend!
00:01:50: Deine Großeltern dagegen erinnern sich an Unterwasser-Landschaften, die eher an psychodälische Kathedralen erinnert haben….
00:01:59: Ah ganz anders als du das heute siehst... Oder du bist Touristin Florida.
00:02:05: Jemand zeig dir ein Foto von einem Alligator und du denkst, große Aufregung!
00:02:10: Für die Einheimischen von früher ist dieses Bild ungefähr so spektakulär wie eine Taube im Park.
00:02:17: Denn in Florida gab's früher überall Alligatoren – nicht nur in den Everglades und dem Zoo.
00:02:24: Oder du bist Mitte zwanzig und schländerst durch einen Supermarkt, die Regale sind voller Lebensmittel immer überall jederzeit.
00:02:32: Avocados frische auch am Abend!
00:02:35: Und du hältst es für die natürliche Ordnung der Dinge?
00:02:38: Aber deine Großmutter weiß noch wie sich Mangel anfühlt – nicht als Konzept sondern als Realität.
00:02:47: Ich habe mir das auch gedacht in Indien, also wenn man da junger Mensch ist und dann irgendwie in der indischen Metropole New Daily geht.
00:02:54: Und der Himmel ist häufig grau und manchmal milchig und manchmal dumpf?
00:02:59: Und dann erzählen so die Älteren ja dort, die da beim Straßenrand sitzen, die erinnern sich an Tage, an denen blauer Himmel keine Seltenheit war sondern der Hintergrund ihres Lebens.
00:03:13: Und genau darin liegt die perfide Schönheit dieses Shifting-Baseline-Effekts und den gibt's auch bei Stimmen.
00:03:30: Denk zum Beispiel an die Radio-Stimme der Vergangenheit, und hör dir Aufnahmen aus dem neunzehnfünfziger oder neunzensechziger Jahren an!
00:03:39: Sprecher haben damals viel tiefer geklungen – ruhiger, fast theatralisch….
00:03:44: Die berühmte Nachrichtensprecherstimme war bewusst trainiert auf langsam Sonor und mit klarer Artikulation.
00:03:54: Also gerade ein Beispiel, das mir einfällt jetzt vielleicht nicht nur aus Österreichern Deutschland ist die Steelekone Walter Cronkite der damals bei CBS News gesprochen hat.
00:04:06: Heute würde dieselbe Sprechweise auf vielen Plattformen fast übertrieben wirken und wenn du Walter Cronkite eingibst im YouTube, dann kannst du das auch anhören.
00:04:16: also die Baseline hat sich auch hier verschoben zu schneller informeller persönlicher Und es merkt man natürlich auch bei unseren Podcastern heute oder den Creator Stimmen.
00:04:28: Die digitale Öffentlichkeit hat eine völlig neue Form gefunden Halbgespräch So wie wir jetzt?
00:04:35: Und High-Performance.
00:04:36: Viele Creator sprechen schneller, emotionaler und mit stärkerer Betonung – das ist so eine hochenergetische Sprechweise die vor zehn Jahren im Fernsehen ganz klar als überdreht gegolten hätte!
00:04:51: Heute ist sie für viele junge Zuhörerinnen Standard.
00:04:55: Was fällt man noch von Beispiel für Shifting Baseline ein?
00:04:59: Vielleicht die Pitchverschiebung bei Frauenstimmen.
00:05:02: In den letzten Jahrzehnten ist so die durchschnittliche Sprechstimmlage vieler Frauen gesunken.
00:05:09: Zwar nur leicht, aber gesunken!
00:05:12: Lingoisten führen das teilweise auf berufliche Rollenbilder natürlich mit ideale Vorbilder zurück – also Figuren wie was wäre es jetzt in der Welt?
00:05:21: Opera Winfrey haben eine Stimme geprägt, die autoritärer tiefer wirkt als die klassischen hellen Medien-Frauenstimmen früherer Jahrzehnte.
00:05:30: Denk an Sissy Filme.
00:05:33: Also so klingt Opera in Free nicht.
00:05:39: Und bei diesen ganzen shifting Baselines und Stimmen und Sprache merkt man das natürlich auch im Sprechtempo, dass hat sich im digitalen Raum verändert.
00:05:48: Vergleiche einmal alte Fernsehinterviews mit heutigen YouTube-Gesprächen.
00:05:53: Früher ließ man pausen!
00:05:57: Heute werden Lücken geschnitten, beschleunigt oder vermieden.
00:06:00: Das heißt Plattform-Logik, besonders TikTok hat die Baseline dafür's Tempo völlig verschoben.
00:06:06: Langsame Sprechen fühlt sich plötzlich dort wie Stillstand an!
00:06:12: Auch die Telefonstimmen und Mikrofonstimmen sind natürlich betroffen.
00:06:15: Früher war die Stimme oft für große Räume und fürs Radio gedacht.
00:06:20: klar projiziert tragend... Na ja, also so sprechen wir heute maximal noch Schauspieler.
00:06:25: Weil die auf der Bühne auch im Rang im obersten Hörber sein müssen.
00:06:30: Heute hingegen sprechen viele Menschen so als sehsen sie direkt neben deinem Ohr.
00:06:35: Hallo!
00:06:37: Weil Mikrofon-Headset-Smartphones natürlich jede Nausein fangen und aufnehmen Und dieser intime Podcastton ist damit auch zur neuen Farm geworden.
00:07:01: Fazit Jede Generation passt ihre Ohren an die dominante Klangumgebung an und kaum jemand von uns merkt, dass sich die Baseline verschiebt.
00:07:13: Erst wenn du eine Aufnahme hörst, die fünfzig Jahre alt ist dann wirkt sie plötzlich wie eine Stimme von einem anderen Planeten!
00:07:24: Das war's wieder mal!
00:07:25: Besuche mich doch in der Schule des Sprechens in Wien.
00:07:28: Auf LinkedIn, Instagram, Facebook singen YouTube TikTok, Clubhouse oder auf sprechen.com.